Nuklear-Wochenrückblick: 26. Oktober bis 1. November 2026
Die Berichterstattung der Woche drehte sich vor allem um Iran: Der IAEA-Chef erklärte im UN-Sicherheitsrat, er könne Irans hoch angereichertes Uran nicht verifizieren, Vermittler pendelten zwischen Doha und Teheran, und ranghohe iranische Vertreter sprachen von einer laufenden Debatte über die Nukleardoktrin des Landes. Russland und Nordkorea führten jeweils Starts ballistischer Raketen durch, und laut IAEA wurde ein Mitarbeiter des Kernkraftwerks Saporischschja bei einem Drohnenangriff getötet.
Irans Atomdossier im Sicherheitsrat
IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi erklärte am 27. Oktober vor dem UN-Sicherheitsrat, die Behörde habe seit Juni 2025 keine Aktivitäten zur Reparatur der bei den Angriffen auf Iran 2025 und 2026 beschädigten Anlagen festgestellt, und Iran habe die Informationen und den Zugang nicht gewährt, die zur Verifizierung seines deklarierten Nuklearmaterials nötig seien, darunter 440 kg hoch angereichertes Uran, berichtete The New Arab. Das Briefing folgte auf die Überweisung des Iran-Dossiers an den Rat durch den IAEA-Gouverneursrat am 9. September. In derselben Sitzung erklärten Russlands Botschafter Wassili Nebensja und Chinas Botschafter Fu Cong laut WANA und Press TV, die Resolution 2231 sei im Oktober 2025 ausgelaufen und der Rat habe keine Grundlage mehr, sich weiter mit dem Dossier zu befassen. Am 28. Oktober zitierte die iranische Agentur ISNA Russlands Wiener Botschafter Michail Uljanow mit der Aussage, es brauche Garantien gegen weitere Angriffe auf Irans Nuklearanlagen, eine Forderung, die er bereits zuvor erhoben hatte.
Druck und Vermittlung zwischen Washington und Teheran
Das Wall Street Journal berichtete am 27. Oktober, die USA hätten mehrere arabische Golfstaaten aufgefordert, sich nach den Zwischenwahlen am 3. November auf eine mögliche kurze, intensive Kampagne gegen Iran einzustellen; zu den potenziellen Zielen gehörten dem Bericht zufolge auch Nuklearanlagen. Präsident Trump habe noch keine endgültige Entscheidung getroffen, so die Zeitung. Der israelische Sender N12 berichtete am 28. Oktober unter Berufung auf diplomatische Quellen, Washington habe iranischen Vertretern mitgeteilt, ein Angriff werde erfolgen, sofern Teheran nicht sein hoch angereichertes Uran an die USA übergebe, die Angriffe in der Region einstelle und die Straße von Hormus wieder öffne. Die US-Regierung hat diesen Bericht nicht bestätigt. Bei einer Kundgebung in Lubbock, Texas, sagte Trump am 27. Oktober laut einem Transkript von Roll Call Factbase, Irans Führung verstehe „vollkommen, dass sie niemals, niemals eine Atomwaffe haben wird“.
Auf diplomatischer Ebene berichtete Reuters, katarische Vermittler hätten am 25. Oktober in Teheran einen Vertragsentwurf übergeben. Ein ranghoher iranischer Vertreter sagte Reuters am 28. Oktober, Dohas Vorschläge seien „inakzeptabel“ und Irans Linie, in der Nuklearfrage keine Flexibilität zu zeigen, bleibe unverändert. Der Guardian berichtete, die Golfstaaten arbeiteten an einem mehrteiligen Plan; europäische Diplomaten nannten die Wiederzulassung von UN-Inspektoren an Irans bombardierten Standorten eine Mindestforderung der USA. Am 31. Oktober sagte Außenminister Abbas Araghtschi Al Jazeera, eine iranische Delegation befinde sich in Doha, Teheran habe einen Brief von US-Vizepräsident JD Vance geprüft, und der Versuch der USA, einen Dialog zu eröffnen, sei „ein positiver Schritt“. Ein Treffen mit US-Vertretern sei vorerst nicht geplant.
Debatte in Teheran über Doktrin und Atomwaffensperrvertrag
Mohsen Resaei, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats, sagte am 31. Oktober im Staatsfernsehen, es werde derzeit darüber debattiert, ob Iran an seiner Nukleardoktrin festhalten solle, falls der Krieg wieder aufflamme; eine neue Entscheidung sei aber nicht gefallen, wie Press TV und Reuters berichteten. Am 1. November erklärte der frühere Außenminister und heutige Abgeordnete Manutschehr Mottaki, das Parlament werde auf Anfrage einstimmig für eine Überprüfung der Mitgliedschaft im Atomwaffensperrvertrag stimmen, betonte aber, die Entscheidung liege beim Obersten Führer, berichtete Mehr. Ein Austrittsgesetz liegt seit September beim Präsidium des Parlaments. Iran International berichtete, die den Revolutionsgarden nahestehende Agentur Fars habe Straßeninterviews verbreitet, die eine Bombe als Forderung der Bevölkerung darstellten, und merkte an, diese seien kein verlässlicher Gradmesser der Stimmung.
Zu den zivilen Programmen sagte AEOI-Sprecher Behrus Kamalwandi am 28. Oktober, Iran stehe kurz vor dem Abschluss eines Protokolls mit Russland über den gemeinsamen Bau kleiner modularer Reaktoren. Rosatom-Chef Alexej Lichatschow erklärte, die Zahl der Mitarbeiter in Buschehr werde im November 200 erreichen, nachdem am 12. Oktober noch von 135 die Rede gewesen war.
Raketenstarts und die koreanische Halbinsel
Russlands Verteidigungsministerium teilte am 28. Oktober mit, das U-Boot „Generalissimus Suworow“ der Borei-A-Klasse habe aus getauchter Position im Ochotskischen Meer eine Bulawa-Rakete in Richtung des Testgeländes Tschischa im Gebiet Archangelsk abgefeuert, im Rahmen einer planmäßigen Übung. Am 29. Oktober meldete der südkoreanische Generalstab, Nordkorea habe aus dem Raum Wonsan rund zehn ballistische Kurzstreckenraketen abgefeuert, die etwa 250 km weit flogen, berichtete NBC News. Japan erklärte, sie seien offenbar nicht in seiner ausschließlichen Wirtschaftszone niedergegangen. USNI News berichtete über beide Starts.
- Das US-Finanzministerium verhängte am 28. Oktober Sanktionen gegen zehn Personen und eine in Russland ansässige Organisation wegen nordkoreanischer IT-Arbeiter-Programme, mit denen nach seinen Angaben Waffenprogramme finanziert werden.
- Kim Jong Un wies Kompaniechefs der Armee an, die Ausbildung für die Kriegsbereitschaft zu intensivieren, berichtete KCNA; Atomwaffen wurden dabei nicht erwähnt.
- Nordkoreanische Haubitzen wurden nahe der entmilitarisierten Zone fotografiert; laut Seouls Generalstab handelt es sich um ein älteres System.
- Der Schweizer Außenminister Ignazio Cassis sollte am 29. und 30. Oktober Pjöngjang besuchen, um das Schweizer Büro wiederzueröffnen.
Saporischschja, Abschreckungskräfte und Abrüstungsdiplomatie
Die IAEA erklärte am 29. Oktober, ein Mitarbeiter des Kernkraftwerks Saporischschja sei am selben Tag bei einem Drohnenangriff getötet worden, wie Reuters laut Biztoc berichtete. Andernorts wurden drei der vier britischen U-Boote der Vanguard-Klasse gleichzeitig auf See gemeldet, was laut Navy Lookout keine Änderung der Aufstellung signalisiert; die US-Luftwaffe vergab an Lockheed Martin einen Auftrag über 694 Millionen Dollar für die Produktion der Hyperschallrakete ARRW; und die NNSA hielt über dem Nordwesten von Las Vegas eine routinemäßige Übung zur Strahlungsdetektion ab. Bei den Vereinten Nationen nahm der Erste Ausschuss eine von Japan eingebrachte Resolution zur Abschaffung von Atomwaffen mit 150 zu 7 Stimmen bei 25 Enthaltungen an, berichtete die Japan Times, und Kasachstan schlug eine engere Abstimmung zwischen den atomwaffenfreien Zonen vor. Der chinesische Rüstungskontrollbeamte Dai Huaicheng sagte TASS, Japans abgetrenntes Plutonium könnte theoretisch für mehrere tausend Sprengköpfe reichen.
Quellen
- Iran hasn't tried to repair damaged nuclear facilities: IAEA The New Arab
- U.S. tells Gulf countries to prepare for possible strike on Iran after midterms: WSJ Xinhua
- Live Updates: Iran rejects "unacceptable" ideas as Qatari mediators say they presented new draft deal to Tehran CBS News
- Iran war live: Araghchi says US attempt to open dialogue 'positive step' Al Jazeera
- Rezaei: US tone has completely changed; no decision yet on nuclear doctrine, but debate continues Press TV
- MPs to vote for NPT pullout unanimously if Leader agrees Mehr News Agency
- Russia, North Korea Test Missiles in the Western Pacific USNI News
- North Korea fires around 10 ballistic missiles toward sea off east coast, Seoul says NBC News
- IAEA: Zaporizhzhia plant employee killed in drone attack Biztoc
- U.N. panel adopts Japan-led nuclear weapon abolition resolution The Japan Times